![]() |
|
|
Die erste Einschränkung besagt, dass das Erzeugen eines Objektes immer das Erste ist, was ein Konstruktor leisten muss. Nichts darf vor der Initialisierung ausgeführt werden. Die zweite Einschränkung hat damit zu tun, dass die Objektvariablen erst nach dem Aufruf von this() initialisiert werden, so dass ein Zugriff unsinnig wäre – die Werte wären im Allgemeinen 0. Listing 6.20 Musikanlage.java public class Musikanlage { static final int STANDARD = 1000; int standard = 1000; int watt; Musikanlage() { // this( standard ); // nicht zulässig wg. Zugriff auf Objektvariable this( STANDARD ); // das wäre OK } Musikanlage( int watt ) { this.watt = watt; } } Da Objektvariablen bis zu einem bestimmten Punkt noch nicht initialisiert sind – das erklärt der nächste Abschnitt –, lässt uns der Compiler nicht darauf zugreifen – nur statische Variablen sind als Übergabeparameter erlaubt. Daher ist der Aufruf this(standard) nicht gültig, da standard eine Objektvariable ist; this(STANDARD) ist jedoch in Ordnung, weil STANDARD eine statische Variable ist. 6.6.3 Initialisierung der Objekt- und Klassenvariablen
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
public class InitStaticVariable { static int staticInt = 2; } |
public class InitStaticVariable { static int staticInt; static { staticInt = 2; } } |
Wie die Beispiele im vorangegangenen Kapitel zeigen, werden Objektvariablen erst im Konstruktor gesetzt und statische Variablen in einem static-Block. Diese Tatsache müssen wir jetzt mit finalen Variablen zusammenbringen, was uns dazu bringt, dass auch sie in Konstruktoren beziehungsweise in Initialisierungsblöcken zugewiesen werden. Im Unterschied zu nicht-finalen Variablen müssen finale Variablen auf jeden Fall gesetzt werden, und nur genau ein Schreibzugriff ist möglich.
Mit diesem Vorgehen lassen sich auch »variable« Konstanten angeben, deren Belegung sich erst zur Laufzeit ergibt. Im nächsten Beispiel soll eine Datei eine Konstante enthalten, die Hubble-Konstante.
Listing 6.22 hubblekonstante.txt
71
Die Hubble-Konstante bestimmt die Expansionsgeschwindigkeit des Universums und ist eine zentrale Größe in der Kosmologie. Dummerweise ist die genaue Bestimmung schwer und der Name Konstante eigentlich unpassend. Damit eine Änderung des Wertes nicht zur Neuübersetzung des Java-Programms führen muss, legen wir den Wert in eine Datei. Die Klasse liest in einem static-Block den Wert aus der Datei und belegt die finale statische Konstante.
Listing 6.23 LateConstant.java
import java.util.Scanner; class LateConstant { final static int MWST ; // hier steht nicht = irgendwas final String ISBN ; // hier auch nicht. static { MWST = new Scanner(LateConstant.class.getResourceAsStream( "hubblekonstante.txt")).nextInt(); } LateConstant() { ISBN = "3572100100"; } public static void main( String[] args ) { System.out.println( MWST ); // 71 System.out.println( new LateConstant().ISBN ); // 3572100100 } }
Die Methode getResourceAsStream() liefert einen Datenstrom zum Dateiinhalt, den die Klasse Scanner als Eingabequelle zum Lesen nutzt. Die Objektmethode nextInt() liest anschließend eine Ganzzahl aus der Datei.
Neben den Konstruktoren haben die Sprachschöpfer eine weitere Möglichkeit vorgesehen, um Objekte zu initialisieren. Diese Möglichkeit wird insbesondere bei anonymen, inneren Klassen wichtig, also bei Klassen, die sich in einer anderen Klasse befinden.
Ein Exemplarinitialisierer ist ein Konstruktor ohne Namen. Er besteht in einer Klassendefinition nur aus einem Paar geschweifter Klammern und gleicht einem statischen Initialisierungsblock ohne das Schlüsselwort static:
class Klasse { { // Exemplarinitialisierer. } }
Die Exemplarinitialisierer können gut dazu verwendet werden, Initialisierungsarbeit bei der Objekterzeugung auszuführen. In den Blöcken lässt sich Programmcode setzen, der sonst in jedem Konstruktor kopiert oder andernfalls in eine extra Funktion zentralisiert werden müsste. Mit dem Exemplarinitialisierer lässt sich der Programmcode vereinfachen, denn der gemeinsame Teil kann in diesen Block gelegt werden, und wir haben Quellcode-Duplizierung im Quellcode vermieden. Allerdings hat die Technik gegenüber einer langweiligen Initialisierungsfunktion auch Nachteile.
| Zwar ist im Quellcode die Duplizierung nicht mehr vorhanden, aber in der Klassendatei steht sie wieder drin. Das liegt daran, dass der Compiler alle Anweisungen des Exem-plarinitialisierers in jeden Konstruktor kopiert. |
| Das Zweite ist, dass Exemplarinitialisierer gerne übersehen werden. Ein Blick auf den Konstruktor verrät nicht, was er alles macht; ein Funktionsaufruf klärt das schnell auf. Die Initialisierung trägt damit nicht zur Übersichtlichkeit bei. |
| Ein weiteres Manko ist, dass die Initialisierung nur bei neuen Objekten, also mit new() durchgeführt wird. Wenn Objekte wieder verwendet werden sollen, dann ist eine private Funktion wie initialize(), die das Objekt wie frisch erzeugt aufbaut, gar nicht so schlecht. Eine Funktion lässt sich immer aufrufen, und damit sind die Objektzustände wie neu. |
| Die API-Dokumentation führt diesen Intialisierer nicht auf, vielleicht soll aber der Teil dokumentiert werden. |
In einer Klasse können mehrere Exemplarinitialisierer auftauchen. Die Exemplarinitialisierer werden der Reihe nach durchlaufen, und zwar vor dem eigentlichen Konstruktor. Ihr Programmcode wird in alle Konstruktoren eingesetzt. Objektvariablen wurden schon initialisiert. Ein Programmcode wie der folgende ...
Listing 6.24 WerIstAustin.java
public class WerIstAustin { String austinPowers = "Mike Myers"; { System.out.println( "1 " + austinPowers ); } WerIstAustin() { System.out.println( "2 " + austinPowers ); } }
... wird vom Compiler also umgebaut zu:
public class WerIstAustin { String austinPowers; WerIstAustin() { austinPowers = "Mike Myers"; System.out.println( "1 " + austinPowers ); System.out.println( "2 " + austinPowers ); } }
Wichtig ist abschließend zu sagen, dass vor dem Zugriff auf eine Objektvariable im Exemplarinitialisierer diese auch definiert sein muss. So führt Folgendes zu einem Fehler:
class WerIstDrEvil { { System.out.println( drEvil ); // Ein Compilerfeher. } String drEvil = "Mike Myers"; }
Glücklicherweise werden wir beim Programmieren von der lästigen Aufgabe befreit, Speicher von Objekten freizugeben. Wird ein Objekt nicht mehr referenziert, findet der Garbage-Collector2 dieses Objekt und kümmert sich um alles Weitere – der Entwicklungsprozess wird dadurch natürlich vereinfacht. Der Einsatz eines GCs verhindert zwei große Probleme:
| Ein Objekt kann gelöscht werden, aber die Referenz existiert noch (engl. dangling pointer). |
| Kein Zeiger verweist auf ein bestimmtes Objekt, dieses existiert aber noch im Speicher (engl. memory leaks). |
Dem GC wird es leicht gemacht, wenn nicht mehr benötigte Referenzen mit null überschrieben werden (objRef = null), denn dann weiß der GC, dass zumindest ein Verweis weniger auf das Objekt existiert. War es der letzte Verweis, kann der GC dieses Objekt sofort entfernen, wenn weiterer Speicherplatz für neue Objekte benötigt wird.
Der GC erscheint hier als ominöses Ding, das die Objekte clever verwaltet. Doch was ist der GC? Implementiert ist er als unabhängiger Thread mit niedriger Priorität. Er verwaltet die Wurzelobjekte, von denen aus das gesamte Geflecht der lebendigen Objekte erreicht werden kann. Dazu gehören die Wurzel des ThreadGroup-Baums und die lokalen Variablen aller aktiven Methodenaufrufe (Laufzeitkeller aller Threads). In regelmäßigen Abständen werden nicht benötigte Objekte markiert und entfernt.
Mittlerweile ist auch das Anlegen von Objekten unter der Java VM von Sun dank der HotSpot-Technologie schneller geworden. HotSpot ist seit Java 1.3 fester Bestandteil des Java SDK. HotSpot verwendet einen generationenorientierten GC, der ausnutzt, dass zwei Gruppen von Objekten mit deutlich unterschiedlicher Lebensdauer existieren. Die meisten Objekte sterben sehr jung, die wenigen überlebenden Objekte werden hingegen sehr alt. Die Strategie dabei ist, dass Objekte im »Kindergarten« erzeugt werden, der sehr oft nach toten Objekten durchsucht wird und in der Größe beschränkt ist. Überlebende Objekte kommen nach einiger Zeit aus dem Kindergarten in eine andere Generation, die nur selten vom GC durchsucht wird. Damit folgt der GC der Philosophie von Auffenberg, der meinte: »Verbesserungen müssen zeitig glücken; im Sturm kann man nicht mehr die Segel flicken.« Das heißt: der GC arbeitet ununterbrochen und räumt auf. Er beginnt nicht erst mit der Arbeit, wenn es zu spät und der Speicher schon voll ist.
In den bisherigen Beispielen haben wir gesehen, dass ein Objekt mit dem new-Operator gebildet wird. Es gibt aber noch eine versteckte Objekterzeugung bei Zeichenketten. Betrachten wir folgende Zeilen:
Date d = new Date(); String s = "Chicken Run"; String t = "Chicken Run";
Beim Datum erzeugten wir ausdrücklich ein neues Date-Objekt. Die zweite Zeile erzeugt jedoch implizit ein String-Objekt, das das angegebene Zeichenketten-Literal speichert. In der dritten Zeile gilt nun etwas Besonderes. Um dies zu erkennen, müssen wir wissen, dass Zeichenketten-Literale in einem Konstantenpool der virtuellen Maschine gehalten werden. Gleiche Zeichenketten bei String-Objekten für Literale (und nur dort) werden daher auf die gleichen Referenzen gelenkt. Genau in diesem Fall lassen sich mit dem Vergleichsoperator == die Zeichenketten vergleichen. In der dritten Zeile wird demnach also kein neues String-Objekt erzeugt, sondern die Referenz t ist mit der von s identisch.
Der letzte Fall einer impliziten Objekterzeugung hat wieder mit Zeichenketten zu tun.
String s = "Peter Lord " + ’&’ + " Nick Park"; //<a href="#ftn3"><sup>3 </sup></a>
Der Plus-Operator zur Konkatenation von nicht konstanten Zeichenketten (konstante Zeichenketten werden vom Compiler zusammengefügt) erzeugt einen StringBuffer, dessen Bausteine mit append() angehängt werden. Nach der Aneinanderreihung wird der StringBuffer wieder zu einem String konvertiert:
String s = new StringBuffer("Peter Lord "). append (’&’). append (" Nick Park").toString();
Das zu wissen, ermöglicht gute Optimierungen, besonders in Schleifen.
Ein Konstruktor kann privat sein, was verhindert, dass von außen ein Exemplar dieser Klasse gebildet werden kann, was auf den ersten Blick ziemlich beschränkt erscheint, erweist sich als ziemlich clever, wenn damit die Exemplarbildung bewusst verhindert werden soll. Sinnvoll ist das etwa bei den so genannten Utility-Klassen. Das sind Klassen, die nur statische Funktionen besitzen, also Hilfsklassen sind. Beispiele für diese Hilfsklassen gibt es zur Genüge, zum Beispiel Math. Warum sollte es hier Exemplare geben? Für den Aufruf von max() ist das nicht nötig. Also wird die Bildung von Objekten erfolgreich mit einem privaten Konstruktor unterbunden.
Wenn ein Konstruktor privat ist, bedeutet das noch lange nicht, dass keine Exemplare mehr erzeugt werden können. Ein privater Konstruktor besagt nur, dass er von außen nicht sichtbar ist – aber die Klasse selbst kann ihn ebenso wie private Funktionen »sehen« und zur Objekterzeugung nutzen. Objektfunktionen kommen dafür nicht in Frage, da ähnlich wie beim Henne-Ei-Problem ja vorher ein Objekt nötig wäre. Es bleiben somit die statischen Funktionen.
Ein Singleton stellt sicher, dass es von einer Klasse nur ein Exemplar gibt. Nützlich ist das für »Dinge«, die es nur genau einmal in einer Applikation geben soll, etwa einen Logger für Protokollierungen.
Listing 6.25 Logger.java
public final class Logger { private static Logger logger; private Logger() { } public static synchronized Logger getInstance() { if ( logger == null ) logger = new Logger(); return logger; } public void log( String s ) { System.out.println( s ); } }
Interessant sind einmal der private Konstruktor und zum anderen die Anfrage-Funktion. Gibt es noch kein Exemplar des Loggers, bildet die Funktion eines und weist es der Klassenvariablen zu. synchronized schützt bei parallelen Zugriffen (dazu später mehr).
Listing 6.26 LoggerUser.java
public class LoggerUser { public static void main( String[] args ) { Logger.getInstance().log( "Log mich!" ); } }
Eine Fabrik geht noch einen Schritt weiter als ein Singleton. Sie erzeugt nicht exakt ein Exemplar, sondern unter Umständen auch mehrere. Die grundlegende Idee jedoch ist, dass der Anwender nicht über einen Konstruktor ein Exemplar erzeugt, sondern im Allgemeinen über eine statische Funktion. Dies hat den Vorteil, dass die Funktion
| alte Objekte aus einem Cache wiedergeben kann; |
| den Erzeugungsprozess auf Unterklassen verschieben kann und |
| null zurückgeben darf. |
Ein Konstruktor erzeugt immer ein Exemplar der eigenen Klasse. Eine Rückgabe wie null kann ein Konstruktor nicht liefern, denn bei new wird immer ein neues Objekt gebaut. Fehler könnten nur über eine Exception angezeigt werden.
In der Java-Bibliothek gibt es eine Unmenge von Beispielen für Fabrik-Methoden. Durch eine Namenskonvention sind sie leicht zu erkennen: Meistens heißen sie getInstance(). Eine Suche in der API-Dokumentation fördert gleich 90 solcher Funktionen hervor. Viele sind parametrisiert, um der Funktion anzuzeigen, was sie genau erzeugen soll. Nehmen wir zum Beispiel die Fabrik-Methode vom java.util.Calendar:
| Calendar.getInstance() |
| Calendar.getInstance( java.util.Locale ) |
| Calendar.getInstance( java.util.TimeZone ) |
Die nicht parametrisierte Funktion gibt ein Standard-Calendar-Objekt zurück. Calendar ist aber selbst eine abstrakte Basisklasse, und innerhalb der Funktion befindet sich Quellcode wie der folgende:
static Calendar getInstance() { return new GregorianCalendar(); }
Im Rumpf der Erzeuger-Funktion getInstance() wird bewusst die Unterklasse GregorianCalendar ausgewählt, die Calendar erweitert. Das ist möglich, da durch Vererbung eine Ist-eine-Art-von-Beziehung gilt und GregorianCalendar ein Calendar ist. Der Aufrufer von getInstance() bekommt das nicht mit, und er empfängt wie gewünscht ein Calendar-Objekt. Mit dieser Möglichkeit kann getInstance() testen, in welchem Land die JVM läuft, und abhängig davon die passende Calendar-Implementierung auswählen.
1 Wir wollen hier den Fall, dass der Konstruktor der Oberklasse i einen Wert ungleich 0 setzt, nicht betrachten.
2 Lange Tradition hat der Garbage-Collector unter LISP und unter Smalltalk, aber auch Visual Basic benutzt einen GC.
3 Die Erfinder von Wallace & Gromit und Chicken Run. Für den neuen Film haben 40 Kneter in drei Jahren zwei Tonnen Plastilin geformt.
| << zurück |
Copyright © Galileo Press GmbH 2005
Für Ihren privaten Gebrauch dürfen Sie die Online-Version natürlich ausdrucken. Ansonsten unterliegt das <openbook> denselben Bestimmungen, wie die gebundene Ausgabe: Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten einschließlich der Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.